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Salone Internazionale des Mobile - Ein Reisebericht zur Mailand Exkursion


Auch in diesem Jahr machte sich eine große Gruppe HfG Studierender gemeinsam mit Prof. Gerhard Reichert auf den Weg nach Mailand. Die Exkursion zur weltweit renommierten Mailänder Möbelmesse – der Salone Internazionale del Mobile – stellt seit Jahren ein beliebtes Angebot für die Studierenden dar, um die internationale Designbranche, ihre Größen, den Nachwuchs und die Trends aus nächster Nähe kennenzulernen.

Zunächst ein paar Fakten: Die Salone Internazionale del Mobile fand in diesem Jahr zum 36. Mal statt und zog knapp 360.000 Besucher in die lombardische Metropole, darunter etwa 80 HfGlerinnen und HfGler. Auf 340.000 qm stellten 1.737 Aussteller ihre Produkte aus. Hinzu kamen 650 Nachwuchsdesigner, die auf der Salone Satellite – der Plattform, die speziell für die Präsentation junger Designer geschaffen wurde – ihre Arbeiten zeigten. Innovationen und Trends im Bereich der Bad- und Kücheneinrichtungen fanden sich konzentriert auf den Sonderausstellungen Salone del Bagno und Eurocucina wieder. Auch über das Messegelände hinaus gab es vielfältige Ausstellungen, denn Mailand veranstaltete erneut parallel die Design-Woche „Fuori Salone“. In der Innenstadt öffneten zahlreiche Showrooms ihre Pforten und die ganze Stadt wurde zur Präsentationsfläche. Gerade der Designnachwuchs zog das Publikum mit ihren Ausstellungen auch in Nebenschauplätze der Stadt. Hier vor allem in die Bezirke Zona Tortona und Ventura Lambrate, wo Hochschulen und junge Gestalter aus aller Welt ihre Konzepte und Produkte präsentierten.

Los ging es am Montagmorgen mit dem Reisebus von Schwäbisch Gmünd nach Mailand. Die Stimmung: müde bis fröhlich; das Wetter: nur sonnig nicht wolkig. Vorbei an Lindau am Bodensee über Bregenz und einmal durch die Schweiz wird die Gruppe mit eindrucksvollen Berglandschaften mit meterhohem Schnee, metertiefen Schluchten und Wasserfällen schon einmal visuell gereizt und wachgerüttelt. Der weite Seeblick in Lugano und Como stellen die beiden letzen Highlights vor der Ankunft in der Mode- und Designstadt Mailand dar. Noch im Bus werden alle mit Skizzenbüchern ausgestattet, damit die Eindrücke der nächsten Tage auch auf Papier gebracht werden können. Nach Zimmerverteilung und Gepäckablage ging es – avanti! – weiter ins Zentrum der Stadt. Die U-Bahn fährt die Gruppe direkt zum Duomo di Milano – dem Wahrzeichen der Stadt. Von dort aus beginnt ein Stadtrundgang im Schnelldurchlauf – Duomo Milano, Galerie Vittorio Emanuele, Denkmal von Leonardo da Vinci auf der Piazza della Scala - für einen ersten Überblick vom Herzen Mailands ideal. Dennoch sind alle froh, in den nächsten Tagen Zeit zu haben, zurückzukehren und die imposante Architektur und einladenden Geschäfte mit mehr Ruhe besuchen zu können. Bevor es zu den Mailänder Kanälen in Navigli und zur Zona Tortona geht, kommen alle bei italienischer Pizza auch kulinarisch an.

Von Dienstag bis Samstag ziehen die Exkursionsteilnehmerinnen und –teilnehmer dann von Ausstellung zu Ausstellung, von Showroom zu Showroom. Im individuellen Tempo, in großen oder kleinen Gruppen tauchen sie ein in die Designwelt, sehen, staunen, verstehen, bleiben stehen, fotografieren, machen Skizzen, ziehen weiter, unterhalten sich mit anderen Gestaltern, bewerten, genießen und erleben die Salone Internazionale del Mobile und die Fuori Salone. So individuell wie die Wege der Besucher durch die Messestadt zeigt sich auch das Design. Die Konzepte und Produkte zeigen ein Wechselspiel zwischen Stagnation und Aufbruch. Unabhängig vom Designer, ob aus renommierten Haus und globalem Unternehmen, oder als Jungdesigner mit der ersten Produktserie, das Ausgestellte bewegt sich zwischen Bewährtem und Unbekannten, zwischen kurzem Trend und langfristigem Umbruch, zwischen aha- und oh-no-Erlebnis. Bei den großen Häusern geht es zunehmend in Richtung Veredelung mit hochwertigen Materialien und um die Technologisierung der Dingwelt. Auffällig ist auch die Verwendung ungewöhnlicher Materialien für den Möbelbau wie Stahl, Kupfer und Beton. Hochwertige Verarbeitung lassen sich auf exzellentes Handwerk zurückführen, wodurch die individualisierte Gestaltung authentisch wird. Farbtrends bewegen sich zwischen kräftigen Farbakzenten und stimmigen Creme- und Brauntönen, die beispielsweise mit Kupferelementen ergänzt werden. Der experimentelle Umgang mit Licht sorgt für weitere Farbspiele.

Die Besichtigung der Triennale und des Museo Achille Castiglioni stellen zwei weitere Höhepunkte der Exkursion dar. Die Ausstellungshallen der 1933 gegründeten Triennale zeigen sowohl Dauer- als auch Wechselausstellung zu Design und Kunst. Vor gut sieben Jahren wurde dann das Triennale Design Museum eröffnet, in dem man jetzt eine umfassende Sammlung zum modernen italienischen Design findet. Das großzügige Gebäude mit den meterhohen Wänden, gigantischen Treppenaufgängen und einem Gartenidyll, das von modernen Kunstinstallationen ergänzt wird, räumt den einzelnen Designobjekte einen besonderen Wirkungsbereich ein. Eine ganz andere Atmosphäre umgibt die Produkte des berühmten italienischen Industriedesigners Achilles Castiglioni, die die Exkursionsteilnehmerinnen und –teilnehmer bei der Besichtigung seines Ateliers kennenlernen konnten. Hier ist so gut wie jede Wand mit einem Regal bis zur Decke bestückt, in dem Zeichnungen, Dokumentation und Produkte lagern. In der Mitte der Räume findet sich beispielsweise eine Auswahl seiner Leuchten oder ein großer Tisch, um den verschiedene Stühle stehen, die von Castiglioni, seinem Bruder oder befreundeten Designer stammen. Aufgrund des Platzmangels sind die Besuchergruppen auf 20 Teilnehmer beschränkt. Mitreißend führt die Tochter von Castiglioni durch das Museum, das sie im Andenken an ihren Vater in seinem Atelier eingerichtet hat und jetzt leitet. Sie führt einige Produkte vor, erzählt Anekdoten aus dem Leben des Designers und macht dabei deutlich, dass die Funktion das Design bestimmt und die genialsten Ideen oft sehr einfach sind.

Die Exkursion nach Mailand schenkt allen Beteiligten vielfältige Eindrücke und wertvolle Denkanstöße. An sechs Tagen lernt man Produktdesign in all seinen Facetten kennen. Man schult das Auge, sieht was geht, was nicht mehr oder noch nicht geht, reflektiert das eigene Gestaltungsverständnis und erhält neue Perspektiven. Dankbar greift man bei so vielen Impressionen auf Fotoapparat und Skizzenbuch zurück, um Eindrücke und Gedanken einzufangen und verarbeiten zu können. Beeindruckt geht es dann am Samstagnachmittag zurück nach Schwäbisch Gmünd. Im Bus lassen alle noch einmal die letzten Tage Revue passieren – der Großteil ganz für sich – ruhend, schlafend, träumend. Ciao Milano!

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