Pressemitteilung
Nr. 45/2006
01.08. 2006

50 Jahre Gastarbeiter, 50 Jahre Menschen
Auszeichnung für Dokumentation über italienische Gastarbeiter

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Ausgezeichnet: Davide Durante und Antonietta Nicolini mit ihrer einfühlsamen Dokumentation. Foto: Ingo Müntz

Schwäbisch Gmünd (HfG/imü). Sie wurden angeworben, halfen beim Aufbau in der Nachkriegszeit - und sollten dann wieder in ihre Heimat. Zum 50. Male jährte sich die erste Anwerbung italienischer Gastarbeiter. Aus diesem Anlass entstand die Semesterarbeit „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es sind Menschen gekommen“. Für diese Dokumentation zeichnete nun die non-profit Organisation :output die Diplom Designer Antonietta Nicolini und Davide Durante aus.

„1973 war Anwerbestopp. Die Männer überlegten, was tun?“, sagte Antonietta Nicolini. Viele entschieden sich, die Familien nach Deutschland zu holen. Viele Italiener wussten nicht, wie sie sich integrieren sollten. Die Berührungsängste der Deutschen waren groß. Davide Durante: „Manchmal wollte, manchmal musste man untereinander bleiben. Noch heute haben beide Seiten Defizite in der Annäherung.“ Mit der Dokumentation „50 Jahre Gastarbeiter in Deutschland“ zeigen die Diplom Designer den Verlauf dieser Anwerbung von 1955 bis 1973.

Die Arbeit entstand als Semesterarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Das Ziel: Antonietta Nicolini und Davide Durante sensibilisieren für den Werdegang der Migranten sowie der nachfolgenden Generationen. „Wirtschaftlich ging es den Gastarbeitern in Deutschland besser. Doch sie wurden überwiegend als Hilfsarbeiter eingesetzt und so gleich doppelt als gesellschaftliche Randgruppe abgestempelt“, so Durante. Nach den Italienern kamen Portugiesen, Spanier und Türken. „Der gesellschaftliche Effekt wiederholte sich.“ Eindringliche Fotos, Zitate und Zahlen untermauern diese Entwicklungen.

Die Semesterarbeit erschien zum offiziellen Jubiläum der Unterzeichnung des deutsch-italienischen Abkommens über die Anwerbung italienischer Arbeitskräfte im Juli 2005 als Teil einer übergreifenden Dokumentation. Unterstützt wurde die Veröffentlichung durch das Italienische Generalkonsulat Stuttgart und das Land Baden Württemberg. Bei dem größten internationalen Wettbewerb für Studierende aus allen Bereichen der Visuellen Kommunikation setzten sich Antonietta Nicolini und Davide Durante gegen über 600 Bewerber aus 13 Ländern durch.

Die holländische :output-Foundation hat unter anderem das Ziel, junge Talente zu fördern und eine Plattform für den Austausch von Ideen zu bieten. „Es ging uns nicht darum, lediglich etwas schön zu gestalten. Das Thema betrifft uns direkt als Kinder italienischer Migranten“, erklärte Davide Durante. Die Recherche habe zudem vieles über den eigenen Background aufgedeckt. „Die Auszeichnung macht uns sehr stolz. Insbesondere mit gezielter Gestaltung ein so sensibles Thema in die Öffentlichkeit zu bringen“, so die Designer.

Weitere Infos unter: www.inputoutput.de
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