Rück­schau Krea­tiv­forum Ostwürt­tem­berg: Inklu­sion als Innovationstreiber

Hfg kreativforum 2026

Unter dem Titel Inklu­sion als Inno­va­ti­ons­treiber“ disku­tierten Vertre­te­rinnen und Vertreter aus Gestal­tung, Wirt­schaft und Forschung gemeinsam mit über 60 Gästen über die gesell­schaft­liche und wirt­schaft­liche Rele­vanz barrie­re­freier Gestaltung.

Veran­staltet wurde das Krea­tiv­forum von der Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft Region Ostwürt­tem­berg (WiRO), der Hoch­schule für Gestal­tung Schwä­bisch Gmünd, der Kontakt­stelle Frau und Beruf Ostwürt­tem­berg-Ostalb­kreis sowie der Wirt­schafts­för­de­rung der Stadt Aalen. Ziel des Formats ist es, aktu­elle Entwick­lungen aufzu­greifen und Raum für Austausch zwischen Krea­tiv­wirt­schaft, Unter­nehmen und Hoch­schule zu schaffen.

Bereits in ihrer Begrü­ßung machte HfG-Rektorin Maren Schmohl deut­lich, dass Inklu­sion nicht als Zusatz verstanden werden dürfe, sondern als grund­le­gendes Quali­täts­merkmal guter Gestal­tung. Produkte und digi­tale Ange­bote orien­tierten sich häufig an vermeint­li­chen Durch­schnitts­nut­ze­rinnen und ‑nutzern und blen­deten damit gesell­schaft­liche Viel­falt aus. Eine inklu­sive Perspek­tive hingegen ermög­liche Lösungen, die mehr Menschen zugäng­lich seien und dadurch insge­samt bessere Gestal­tung hervorbringen.

In ihrem gemein­samen Impuls­vor­trag zeigten die Profes­soren Marc Guntow und Ulf Harr auf, wie früh Inklu­sion im Design­pro­zess beginnen müsse – etwa bei der Lesbar­keit eines Veran­stal­tungs­pla­kats oder der Zugäng­lich­keit digi­taler Anwen­dungen. Dabei verwiesen sie auch auf den recht­li­chen Rahmen: Mit dem Euro­pean Acces­si­bi­lity Act und dem Barrie­re­frei­heits­stär­kungs­ge­setz gewinnen barrie­re­freie digi­tale Ange­bote zuneh­mend an Bedeu­tung. Beson­ders deut­lich wurde dabei ein zentraler Gedanke inklu­siven Designs: Wer für Menschen mit beson­deren Anfor­de­rungen gestaltet, verbes­sert häufig die Nutzung für alle.

Praxis­bei­spiele

Wie sich dieser Ansatz konkret in inno­va­tive Gestal­tung über­setzen lässt, zeigten mehrere Abschluss­pro­jekte von Studie­renden der HfG. 

Luca Palanga und Victor Blaga präsen­tierten mit Ausono ein System, das Schü­le­rinnen und Schüler im Autis­mus­spek­trum unter­stützt. Über ein Mikrofon werden Unter­richts­in­halte in Echt­zeit tran­skri­biert, struk­tu­riert und visuell aufbe­reitet, um senso­ri­sche Über­for­de­rung zu redu­zieren und konzen­triertes Lernen zu erleichtern.

Ein weiteres Projekt beschäf­tigte sich mit Kommu­ni­ka­tion in Krisen­si­tua­tionen. Mit onPoint+ entwi­ckelten Alicia Link und Robert Kremer ein analoges und digi­tales Hilfs­mittel für den Kata­stro­phen­schutz, das mithilfe von Bild- und Symbol­sprache Sprach­bar­rieren abbauen soll. Ziel ist es, Einsatz­kräften eine nied­rig­schwel­lige Verstän­di­gung mit Betrof­fenen zu ermög­li­chen und zugleich Infor­ma­tionen zur Selbst­hilfe zugäng­li­cher zu machen.

Auch kultu­relle Teil­habe war Thema des Krea­tiv­fo­rums. Mit seinem KI-gestützten Tool zebra zeigte Joschua Rothen­ba­cher, wie Audio­deskrip­tionen für Thea­ter­auf­füh­rungen effi­zi­enter erstellt werden können. Die Anwen­dung unter­stützt blinde und taube Menschen dabei, Live-Theater besser wahr­nehmen zu können, und trägt so zu einer inklu­si­veren Kultur­land­schaft bei. Gleich­zeitig verdeut­lichte das Projekt, dass inklu­sive Lösungen nicht zwangs­läufig mit Mehr­auf­wand verbunden sein müssen, sondern Prozesse verein­fa­chen und neue Ziel­gruppen erschließen können.

In der abschlie­ßenden Diskus­sion wurde deut­lich: Inklu­sion ist weit mehr als gesell­schaft­liche Verant­wor­tung. Sie eröffnet neue Perspek­tiven auf Gestal­tung, schafft Zugäng­lich­keit und wirkt als Motor für Inno­va­tion – in Design­pro­zessen ebenso wie in Wirt­schaft und Kultur.