Rückschau Kreativforum Ostwürttemberg: Inklusion als Innovationstreiber
Unter dem Titel „Inklusion als Innovationstreiber“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Gestaltung, Wirtschaft und Forschung gemeinsam mit über 60 Gästen über die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz barrierefreier Gestaltung.
Veranstaltet wurde das Kreativforum von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg (WiRO), der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd, der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg-Ostalbkreis sowie der Wirtschaftsförderung der Stadt Aalen. Ziel des Formats ist es, aktuelle Entwicklungen aufzugreifen und Raum für Austausch zwischen Kreativwirtschaft, Unternehmen und Hochschule zu schaffen.
Bereits in ihrer Begrüßung machte HfG-Rektorin Maren Schmohl deutlich, dass Inklusion nicht als Zusatz verstanden werden dürfe, sondern als grundlegendes Qualitätsmerkmal guter Gestaltung. Produkte und digitale Angebote orientierten sich häufig an vermeintlichen Durchschnittsnutzerinnen und ‑nutzern und blendeten damit gesellschaftliche Vielfalt aus. Eine inklusive Perspektive hingegen ermögliche Lösungen, die mehr Menschen zugänglich seien und dadurch insgesamt bessere Gestaltung hervorbringen.
In ihrem gemeinsamen Impulsvortrag zeigten die Professoren Marc Guntow und Ulf Harr auf, wie früh Inklusion im Designprozess beginnen müsse – etwa bei der Lesbarkeit eines Veranstaltungsplakats oder der Zugänglichkeit digitaler Anwendungen. Dabei verwiesen sie auch auf den rechtlichen Rahmen: Mit dem European Accessibility Act und dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gewinnen barrierefreie digitale Angebote zunehmend an Bedeutung. Besonders deutlich wurde dabei ein zentraler Gedanke inklusiven Designs: Wer für Menschen mit besonderen Anforderungen gestaltet, verbessert häufig die Nutzung für alle.
Praxisbeispiele
Wie sich dieser Ansatz konkret in innovative Gestaltung übersetzen lässt, zeigten mehrere Abschlussprojekte von Studierenden der HfG.
Luca Palanga und Victor Blaga präsentierten mit Ausono ein System, das Schülerinnen und Schüler im Autismusspektrum unterstützt. Über ein Mikrofon werden Unterrichtsinhalte in Echtzeit transkribiert, strukturiert und visuell aufbereitet, um sensorische Überforderung zu reduzieren und konzentriertes Lernen zu erleichtern.
Ein weiteres Projekt beschäftigte sich mit Kommunikation in Krisensituationen. Mit onPoint+ entwickelten Alicia Link und Robert Kremer ein analoges und digitales Hilfsmittel für den Katastrophenschutz, das mithilfe von Bild- und Symbolsprache Sprachbarrieren abbauen soll. Ziel ist es, Einsatzkräften eine niedrigschwellige Verständigung mit Betroffenen zu ermöglichen und zugleich Informationen zur Selbsthilfe zugänglicher zu machen.
Auch kulturelle Teilhabe war Thema des Kreativforums. Mit seinem KI-gestützten Tool zebra zeigte Joschua Rothenbacher, wie Audiodeskriptionen für Theateraufführungen effizienter erstellt werden können. Die Anwendung unterstützt blinde und taube Menschen dabei, Live-Theater besser wahrnehmen zu können, und trägt so zu einer inklusiveren Kulturlandschaft bei. Gleichzeitig verdeutlichte das Projekt, dass inklusive Lösungen nicht zwangsläufig mit Mehraufwand verbunden sein müssen, sondern Prozesse vereinfachen und neue Zielgruppen erschließen können.
In der abschließenden Diskussion wurde deutlich: Inklusion ist weit mehr als gesellschaftliche Verantwortung. Sie eröffnet neue Perspektiven auf Gestaltung, schafft Zugänglichkeit und wirkt als Motor für Innovation – in Designprozessen ebenso wie in Wirtschaft und Kultur.